Auch dieses Buch ist ein Trick

Vorsicht, wenn Sie sich gerne verzaubern lassen wollen, dann bitte – lesen Sie „Der Trick“ von Emanuel Bergmann! Aber, ich warne Sie gleich. Auch dieses Buch selbst ist ein Trick, es wird Sie nämlich gefangen nehmen und nicht wieder loslassen. Auch nicht, nachdem Sie die Lektüre beendet haben. 

Dieses Debüt ist mit Abstand das beste Buch, das ich seit langem gelesen habe und ich befürchte schon jetzt, dass es mein vorzeitiges Jahreshighlight sein (und bleiben) wird.

Was mit einem Rabbi, einem Seitensprung mit einem Schlosser, dem Tod der Mutter und der Flucht aus einem Elternhaus beginnt, wird zur einem epochenübergreifenden Abenteuer, das Heute, gestern und auch ein wenig Morgen miteinander verknüpft.

Hauptperson des Romans ist (der zu Beginn noch gar nicht geborene, später 15jährige) Mosche Goldenhirsch, der seinen trinkenden „Vater“, den Rabbi, 1934 in Prag verlässt, um sich einem Zirkus anzuschließen. Er wird der „Große Zabbatini“, gefeiert weltweit. Im Alter allerdings ist er nurmehr ein lebensmüder, mürrischer Sturkopf in einem Seniorensitz in L.A. Er glaubt nicht mehr an die Magie, die ihn einst so sehr verzaubert hat, dass er sein altes Leben wortlos hinter sich gelassen hat. Eigentlich möchte er sogar sein derzeitiges Leben vorzeitig verlassen. Aber hat nicht mit dem Jungen Max Cohen gerechnet, der den Großen Zabbatini unbedingt finden will – und es wird. Immerhin hängt die Schallplatte mit dem Liebeszauber, den Max benötigt, um seine Eltern wieder zusammen zu bringen, die sich scheiden lassen wollen.

Eine Art Roadtrip beginnt für den Jungen, eine Reise in die Vergangenheit beginnt für den Zauberer. Ungewollt reissen die beiden alle mit hinein, die sie umgeben, nichtsahnend, welche Verbindung sie schon längst miteinander teilen. 

Der Roman ist nicht nur witzig, sondern auch berührend, viele Sätze darin sind sehr poetisch, aber es wird auch im Dialekt gesprochen (und geflucht), alles ist ungeschönt, wie es eben ist (oder war) – und genau das macht diesen Roman so schön. Ich habe ihn in einem Zug gelesen und bleibe nun mit der großen Leere nach solch einem Buch zurück. Daher: 

Bitte, lieber Emanuel Bergmann, schreiben Sie bald mehr solche Bücher. Ich brauche dringend Nachschub!

Der Trick, Diogenes Verlag
Emanuel Bergmann,
ISBN 978-3-257-06955-6

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