Dem King ganz nah

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Wenn die Großen gehen, dann wird oft gemunkelt, sie seien gar nicht tot, sondern nur ab- oder untergetaucht. Das Gerücht hält sich auch um den King Elvis Presley hartnäckig. Vielleicht verheiratet er ja tatsächlich in Las Vegas Heiratswütige, oder nimmt an einem Imitatoren-Wettbewerb teil und geht mit dem zweiten Platz lächelnd nach Hause. Oder er tourt derzeit durch Deutschland. Das jedenfalls legt die Show „Elvis -Das Musical“ nahe. Denn wenn Imitator Grahame Patrick die Bühne betritt, dann wird der Zweifel an der Lebendigkeit des Kings so mikroskopisch klein.

DSC011872007 habe ich ihn schon einmal gesehen, im Estrel Hotel in Berlin. Damals schon war ich hin und weg – leider auch zu weit weg, um den „King“  in Action auf der Bühne sehen zu können. Ein Erinnerungsfoto nach dem Auftritt ist mir geblieben, ich ein pausbäckiger Backfisch, mit ebenso erhitzten roten Wangen, wie fast zehn Jahre später.

Das Konzert im fast ganz besetzten – und leider bestuhlten – Mannheimer Rosengarten beginnt mit dem Sinatra-Song „(I did it) My way“. Und ja, sie haben es beide auf ihre Art gemacht: Elvis und Patrick, der King seinerzeit als Erfinder des Rock’n’Roll, Patrick heute als eine Art Mittler zwischen der Welt der Lebenden und der Toten.

DSC01185Nach dem ersten Song wird die Bühne dunkel, Nachrichten aus aller Welt verkünden das plötzliche Ableben des Kings. Danach formiert sich auf der Bühne das „The Stamps Quartett“ zu einem Solo im Gedenken an Elvis. Und dann beginnt die Show erst richtig.

Von Elvis Anfängen an in den Sun Records Studios bis zu seiner Zusammenkunft mit Colonel Parker (witzig, ironisch und definitiv liebenswerter als der echte Colonel: Daniel Neumann) . Untermalt werden die gespielten Szenen mit original Bildmaterial. Dann blendet die Kamera in einem Blinzeln über auf die Bühne und kurz muss man da als Zuschauer schon überlegen, was man sieht. Immerzu authentisch sind die Kostüme, in denen Patrick immer wieder überrascht. Dazu einige schöne Tänzerinnen, eine großartige Live-Band – und der Atem stock bei fast jedem Song.  „My happiness“, „Heartbreak Hotel“ und „Are you lonesome tonight?“, „Bridge over troubled water“ und „Polk Salad Annie“ sind nur einige davon.

DSC01186Aber auch Elvis‘ Gospel Favoriten wie „How great thou art“ oder „Sweet sweet spirit“ werden zu Gehör gebracht. Und es sind gerade die etwas „unbekannteren“, nicht so oft gehörten Songs, die Gänsehaut machen. Besonders emotional wird es aber auch, wenn Ed Enoch von Grahame Patrick ins Rampenlicht geholt wird. Enoch hat noch mit Elvis höchstpersönlich getourt. Es st berührend zu sehen, mit welcher Intensität er auf Patrick eingeht. Irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass Enoch selbst tief berührt ist, nach wie vor getroffen von dem Verlust seines „Bruders“, den er nun so eigenartig lebendig wieder neben sich stehen sieht. Noch einmal darf er mit ihm zusammen auftreten, wenn seiner alter Freund auch nur auf Leinwand zu sehen ist; in Patrick hat Enoch einen würdigen Imitator erkannt.

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Programmheft, CD Collection, Ticket, T-Shirt auf Elvis-Bettwäsche mit roter Rose

Aber Grahame Patrick ist mehr als nur ein Imitator, er hat nicht nur die Begabung, Elvis nachzuahmen, auf der Bühne lebt er den King. Ich, die ich acht Jahre nach Elvis‘ Tod auf die Welt gekommen bin, fühle mich plötzlich Elvis näher. Und eine Träne kann ich mir dann am Ende bei „An American Trilogy“ doch nicht verkneifen, so getroffen fühle ich mich plötzlich von Patricks Stimme.

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Frei nach „Erdmöbel“: „im Elvis T-Shirt“

Ein wenig zu kurz an diesem Abend kommt für mich dann doch Elvis‘ private
Geschichte, wenngleich sie auch angerissen und in einigen Bildern erzählt wird. Aber, was will man noch in fast drei Stunden Konzert inklusive Pause packen? Solide erzählt wird Elvis Presleys Werdegang vom LKW Fahrer zum Weltstar, einige witzige Passagen sind dabei, sie wechseln sich mit den allzu gefühlvollen oder zu wild-rockigen ab. Irgendwann aber ist auch an diesem Abend Schluss. Nach Zugabe um Zugabe beordert Patrick die Zuschauer schließlich ins Bett. Einen Absacker jedoch hat er noch für uns bereit: „Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus – und Du mein Schatz bleibst hier“ singt er mit Akzent. Also gehen wir mit erhitzten Wangen und schmerzenden Händen nach Hause. Was bleibt ist die Erinnerung an den King, die Vortäuschung eines Abends, den wir in seiner Nähe verbringen durften, ein Elvis T-Shirt und ein wenig Wehmut, die immer mit all diesem verknüpft sein wird.

 

 

http://www.elvis-musical.co/de/home/

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