Der ganz normale (Schul-)Wahnsinn

Schulsekretariat, Montagmorgen, 8:03 Uhr
›Ich glaube, ich bin krank‹
›Warum glaubst du das?‹
›Die Mama hat’s gesagt.‹
›Und warum bist du dann hier?‹
›Ich soll erstmal warten, ob es schlimmer wird‹, antwortet Pietro aus der 2c und kratzt sich verlegen am Kopf.
›Was genau hast du denn?‹
›Kann ich nicht so laut sagen.‹
Niedlich. Ich streiche dem Kleinen über den Schopf und beuge mich zu ihm runter: ›Komm, du kannst es mir auch ins Ohr flüstern. Ich sag’s auch niemandem, außer dem Doktor vielleicht.‹
Pietro fasst sich ein Herz. Er kommt ganz nah an mein Ohr. ›Läuse, Frau Steinbeck. Vielleicht habe ich Läuse. Ist das schlimm?‹, haucht er.

100_9741Die Rückseite des Sachbuchs „Kann ich Pflaster für mein Handy, Frau Steinbeck – Als Schulsekretärin pausenlos im Einsatz“ von der ominösen „Frau Steinbeck“ (die im Übrigen im ganzen Buch anonym bleiben wird), lässt mich schon einmal neugierig schmunzeln. An einer Schule waren wir schließlich alle einmal. Und die Sekretärin(nen) dort, kenne wir auch alle noch. [An dieser Stelle ganz liebe Grüße an die Sekretärinnen des ÜWGs!].

Désirée Steinbeck hat den Job gewechselt. Durch eine Freundin ist sie die Schwangerschaftsvertretung im Sekretariat der Geschwister Scholl-Schule geworden. Eine Multi-Kulti-Schule an einem Ort, der nicht genannt wird. Ebenso anonym bleibt besagte Frau Steinbeck. Sie lässt den Leser zwar an einigen (zu) privaten Details und Gedanken teilhaben, wird selbst aber nicht greifbar. Ein wenig unsympathisch bleibt sie, leider, in ihrer Art vom Schulalltag im Sekretariat zu erzählen. Als hielte sie sich für die Schönste, Schlauste und ein wenig für den Nabel der Welt, aber dies nur am Rande. Es stört nur, wenn man zu viele Kapitel in einem Rutsch liest.

Die Geschichten, die da erzählt werden, kommen jedem, der einmal längere Zeit eine Schule besucht hat, durchaus bekannt vor. Kleine und große Dramen von Heranwachsenden und Erwachsenen, die nie aus der Schule heraus gekommen sind [sprich: Lehrer]. Einige davon ähneln stark dem eigenen Lehrkörper von damals, um andere wäre man froh gewesen. Die Anekdoten sind mal erschreckend, mal traurig, mal frivol, nicht so oft brüllend komisch, aber zum Schmunzeln reichen sie durchaus. Ich hätte mir ein bisschen mehr Spaß und Gelächter gewünscht, aber auch hier gilt, wie im Schulalltag: Das Leben ist kein Wunschkonzert.

Kann ich Pflaster für mein Handy, Frau Steinbeck

Als Schulsekretärin pausenlos im Einsatz, S. Fischer Verlag

Frau Steinbeck

ISBN: 978-3-596-03265-5

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