Gott, das Kaninchen

100_8720 Etwas ist anrührend, weil es im wahrsten Wortsinne an uns rührt, etwas in uns berührt oder uns und unsere Emotionen (be-)rührt. Und genau das macht der Roman „Als Gott ein Kaninchen war“ von Sarah Winman: Er ist anrührend.

100_87191,94 Euro plus Versand habe ich für den (gebrauchten) Roman bezahlt, der schon lange auf meiner Wunschliste stand. Ich hätte es schon viel eher tun sollen und noch dazu viel mehr bezahlen, denn das ist der Roman auf jeden Fall wert. Die kindliche Erzählerin Elly lässt den Leser teilhaben an ihrer (nicht immer kindgerechten) Welt. Damals, „als die Träume noch klein waren und für alle erreichbar. Als Süßigkeiten nur einen Penny kosteten und Gott ein Kaninchen war„. So erklärt sich auch der durchaus blasphemische Titel: In der Kinderwelt ist Gott ein Kaninchen, Ellys geliebtes Haustier, das tatsächlich auch irgendwie magisch zu sein scheint. Natürlich ist der Titel blasphemisch, aber er ist auch bezeichnend für das, was eine Kindheit ausmacht: Sich geborgen fühlen, Konventionen einreißen und einfach leben (und im Idealfall glücklich sein). Ellys Familie verkörpert alles das, mal mehr oder weniger. Ihre besondere Verbindung zu ihrem Bruder Joe schuldet sie auch Gott, dem Kaninchen. Insofern, als dass Gott diese Familienbande begünstigt, erscheint der Titel schon weitaus weniger gotteslästerlich und einfach nur passend!

Beginnend im Jahr 1968 – und kein zeitlich wichtiges Ereignis auslassend – dehnt sich die Erzählung aus bis hinein in die Zeit um den 11. September 2001. Aber es ist kein 9/11-Roman (fast muss man sagen: Zum Glück. Denn das hätte den Roman doch zerstört.). Es ist vielmehr ein Roman über Kindheit und Erwachsenwerden, über Familie und Freundschaft, Liebe und Trauer, Glück und Unglück; eben fast ein ganzes Leben ist darin enthalten. Erzählerin Elly, die zuerst kindlich erzählt und dann sprachlich ebenfalls eine Entwicklung erfährt, erzählt zum Teil naiv von ihrem Leben und den Menschen darin. Dabei bleibt sie selbst ein wenig auf der Strecke, sodass man ihr am Ende wünscht, sie möge sich selbst finden. Aber Elly hat ja noch ein paar Jahre Lebenszeit, sodass man irgendwie die Hoffnung für sie nicht aufgibt.

100_8721Als die Träume noch klein waren und für alle erreichbar. Als Süßigkeiten nur einen Penny kosteten und Gott ein Kaninchen war

In diesem Jahr habe ich keinen Roman gelesen, der zugleich so abgrundtief traurig und doch lustig war, der Hoffnung machte, obgleich er erschreckend ehrlich und realistisch war, der spannend war und manchmal doch soooo ausgedehnt, wie ein heißer Sommertag in der Kindheit; kurz: Dieses Jahr mein absolutes Lieblingsbuch. Danke, Sarah Winman!

SARAH WINMAN

Als Gott ein Kaninchen war, L¡mes/blanvalet

978-3-442-37762-6

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