„Doch siehe! dort im Mondschein den kolossalen Gesellen!“

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Doch siehe! dort im Mondschein den kolossalen Gesellen!“ Ein Riese, ein Monster, eine Bedrohung?  – Für meine Romanfigur Malina (Käferjahr) ist es das Monument, das ihr signalisiert, sie ist Zuhause. Der kolossale Geselle ist der Kölner Dom und das vorangehende Zitat eine der Kapitelüberschriften aus „Köln – Eine Leseverführung“ der Herausgeber Bernd Abele + Sabine Behrends. Dieses Buch war für mich ein absolutes Muss, denn wie viele wissen, liebe ich diese Stadt ebenfalls. Als Germanistin konnte ich den angekündigten Auszügen aus literarischen Klassikern, Geschichten und Sagen, Märchen und Briefen über die Stadt ebenfalls nicht widerstehen.

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Einen Tag hat es gedauert, bis ich es ausgelesen hatte. Das liegt nicht daran, dass das Buch zu dünn wäre, sondern weil ich es nicht mehr aus der Hand gelegt habe! Kapitel eins führte mich über die Colonia Agrippina zu Texten von Goethe und Heinrich Böll, hin zum zweiten  Kapitel, das sich ganz dem Dom widmet.  In Kapitel drei „Von Heiligen und Ungläubigen, Priestern und Betterln“ finden sich Texte von Grimmelshausen und Wilhelm Heinrich von Riehl. Auch der Karneval wird nicht außen vor gelassen. Danach folgen Kapitel über Kölsche Geschichten wie die über Doktor Faustus oder Jan und Griet, Kapitel über Kölsch und Kölner, sowie der letzte Text Bölls zum Kriegsende, der fast schon ein Nachwort ist.

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Besondere Leseperlen für mich: ebendieser Text von Heinrich Böll „Von Köln standen tatsächlich noch einige Häuser„, Johann Georg Theodor Grässe „Die weiße Frau“ und „Das Heinzelmännchen“ sowie Klaus Mann „Blick aus dem Domhotel“.

Und passt das Buch nicht wunderbar in mein Themenfach im Buchregal? 🙂 (Dort ist übrigens noch etwas Platz… Also immer her mit Empfehlungen, Aussortierungen, Leseexemparen, usw.!)

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 Das Buch wird wie folgt beworben:

»O Köln, du große Freudenstadt,
Was sag ich noch zu deinem Ruhme?
Wie du geblüht im grauen Altertume,
So blühst du noch – die schönste Blume,
Die je geblühet hat! «

Dom, Rhein, Klüngel, Kölsch, Kamelle – das ist Köln. Doch diese Stadt bietet so viel mehr als karnevalistisches Treiben und mittelalterliche Kirchen! Das weiß nicht nur jeder Kölner, entdeckt haben es auch zig Millionen Reisende, Pilger, Studenten, Narren und Neugierige, die Köln in den letzten zweitausend Jahren besucht haben und oft genug geblieben sind. 
Von der Erwähnung der Colonia Agrippina im ersten Jahrhundert durch Tacitus über die Aufzeichnungen berühmter Autoren des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts bis hin zu den Erzählungen Heinrich Bölls spannt sich der Bogen dieser Anthologie.

Eine Werbung, die fast noch zu wenig verspricht. Es ist wirklich eine (literarische) Perle, die ich einmal gelesen habe und dann immer und immer wieder lesen werde. Leider fehlt Hilde Domin, das Kind der Stadt, die immer voller Zuneigung von ihr gesprochen hat. Da ich ja insgeheim auf einen weiteren Band hoffe, findet sich dort sicherlich Wort von ihr.

Teil (m)einer Wand mit Hilde Domin Zitat

Teil (m)einer Wand mit Hilde Domin Zitat

Köln – Eine Leseverführung

Anthologie

Herausgegeben von Bernd Abele & Sabine Behrens

288 Seiten, FISCHER Taschenbuch

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