Heute unter dem Pseudonym: Marisha-Linsey

Cahntalisator

Heute schreibe ich hier mal unter dem Pseudonym Marisha-Linsey eine Rezension. Das ist nicht etwa mein Name für die Zweitkarriere im horizontalen Gewerbe, wobei er sich wunderbar eignen würde, sondern mein „chantalisierter“ Name.

Chantalisierung oder auch Chantalisimus, das kennen Sie noch nicht? Es ist ein Phänomen der vergangenen Jahre, in denen immer mehr Kinder mit Namen aufgetaucht sind, die wenig zu ihrer Umgebung passen und noch weniger zu den kleinen Namensträgern in ihrer jeweiligen Umgebung, vorsichtig formuliert. Eben solchen Namen und anderen von denen abzuraten ist, hat sich William Wahl in „Ernst beiseite! 500 Namen die sie Ihrem Kind besser nicht geben sollten“ gewidmet. Und das ist sehr unterhaltsam, vor allem wenn man sich heimlich und diebisch lustig machen darf, denn der Autor schreibt, was man selbst oft denkt, aber laut nicht aussprechen kann (in Gegenwart der Namensträger bzw. deren Erzeugern). Schlagen Sie für genauere Erläuterungen zu diesem Themenkomplex doch einfach im Kapitel „Chantalismus/Kevinismus“ in diesem Ratgeber nach – wenn auch auf S. 39 die treffende Bezeichnung „gesellschaftlicher Minderwertigkeitskomplex“ bereits eingeführt ist und damit alles sagt, hören Sie bloß nicht auf zu lesen. Sie würden es bereuen.

Mit dem Stempel „Achtung Kevinismus“ bzw. „Achtung Chantalismus“ werden besonders verstörende Namensbeispiele hervor gehoben, oftmals stehen die anderen Namen in ihrer Abschreckung aber in nichts nach. Aufgelockert wird der Ratgeber durch diverse Top-Ten-Listen wie etwa: Die 10 dämlichsten friesischen Vornamen oder Die 1o Namen mit den am wenigsten schmeichelhaften Tierbedeutungen, um nur einige zu nennen. Lesenswert sind aber auch die einzeln eingestreuten Bildkommentare zum Anschauungsmaterial und die Fußnoten, weil sei so herrlich rotzig sind mitunter (das meine ich durchaus positiv, ich mochte das sehr!). Ein Vorwort von Bastian Sick, dem Guru der (deutschen) Sprache darf hier natürlich nicht fehlen, und das tut es auch nicht.

ebww

Ich habe mal durchgezählt, welche Namen mir bereits begegnet sind; bei über 33 habe ich damit aufgehört, weil die nähere Beschäftigung mit den mir bekannten Personen und dem abgleichen ihrer Namen unweigerlich damit endete, dass ich mir die Passagen des Namensratgebers besonders gut eingeprägt habe und bei jeder Begegnung daran denken muss… Auch Erinnerungen kann man nachträglich damit anreichern. Das bereichert das eigene Wissen über die vergangene Schulzeit ungemein…Erschreckend ist, dass viele „Klischees“, die man über diverse Namen im Kopf hat, nicht nur de facto im Namensratgeber zu finden sind, sondern auch tatsächlich stimmen. Von namentlichen Nennungen sehe ich aber an dieser Stelle lieber ab…

Besonders hervor zu heben sind die Passagen des Ratgebers, die eigentlich nichts mit dem Ratgeben zu tun haben, aber deshalb das Buch so unterhaltsam machen: Fußnoten, die teilweise von bissigem Humor nur so tropfen und mich sehr zum Lachen gebracht haben.

2011 in HeilbronnIch bin nun nicht unmittelbar betroffen, einen Namen finden zu müssen, aber aus vielen Gründen hat mich dieses Buch interessiert. Sehen Sie selbst, ein Bild aus meinen Archiven mit dem Autor, hier nach einem Konzert von basta. Dort schätze ich sehr die Texte von William Wahl (inklusive des Soloalbums), die bisweilen bissig, ironisch, aber auch sehr gefühlvoll sind. Und ich musste ja auch nachsehen, ob sich mein eigener Name im Buch befindet. Immerhin war ich im vergangenen Juni so unvorsichtig, meinen Namen im Gespräch mit William zu nennen. Aber, Entwarnung, er ist nicht drin (und wird auch hoffentlich nicht im zweiten Band zu finden sein), denn ich bin damit auch ganz zufrieden. 

Im Gespräch mit meiner Mutter ergab sich nämlich jüngst folgende (eher unerfreuliche) Erkenntnis: Eine Weile habe man doch tatsächlich damit geliebäugelt, mich Chantal zu nennen. Also, ein besseres Ende, das den Leser sprachlos zurück lässt, könnte ich mir für keinen Roman vorstellen. Somit endet hier diese Rezension und ich lasse sowohl Sie als auch mich kopfschüttelnd zurück. Und erteile noch einmal den Hinweis: Auch, wenn Sie nicht auf der Suche nach einem Namen für den Spross sind, hier erwartet Sie etwas sehr Unterhaltsames. Lesen!

Ernst beiseite! 500 Namen die sie Ihrem Kind besser nicht geben sollten rororo
224 Seiten
ISBN 978-3-499-63040-8

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3 Antworten zu Heute unter dem Pseudonym: Marisha-Linsey

  1. Ein Leser schreibt:

    Ich hab es einfach viel zu schnell gelesen – die Basta-Pause ist noch lange nicht vorbei…
    Die Fußnoten haben mich übrigens ebenfalls ganz besonders begeistert! Vor allem die mit den Quadratmetern.

  2. Dolly schreibt:

    Posts like this brghetin up my day. Thanks for taking the time.

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